OMX 2015 ReCap: Viel Online-Marketing in Österreich

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Am 19.11.2015 fand erneut die OMX in den Räumen der Brandboxx statt. Auf der Salzburger Fachkonferenz für Online Marketing standen bekannte Speaker wie Karl Kratz oder Robert Seeger auf der Bühne. Neben einem Einsteigerpfad gab es zudem einen strategischen Track und den sogenannten Hardcore Pfad, der sich detailliert mit Spezialproblemen auseinandersetzte.

Inhalt

 

Keynote: Mehr Normalität & Autorität – Robert Seeger

Den Startschuss der OMX gab Robert Seeger mit einer etwas anderen Keynote, als ich diese von einer OM Konferenz gewohnt bin. Er kritisierte das Bedürfnis oder den Zwang der meisten Unternehmen schneller, extremer und neuer sein zu wollen, besonders im Online Marketing. Dabei sei das für viele oft ein selbstauferlegter Zwang, der gar nicht hilft seine Kunden glücklich oder auf sich aufmerksam zu machen.

„Man kann sich alles kaufen, Aufmerksamkeit muss man sich verdienen.“

Daher kann ich ihm nur zustimmen. Weniger ist sehr oft mehr, vor allem wenn man das dann sehr, sehr gut macht.
Mit dieser Einstimmung wurde den Speakern das Feld überlassen, von denen wir uns im Laufe des Tages überzeugen konnten, dass diese auch in ihren (manchmal kleinen) Themen ihre Sache sehr gut machen.

Google AdWords unter der Haube von Thomas Grübel

Nach dieser zum Nachdenken anregenden Keynote starteten wir jedoch bislang mit einem TOP Vortrag zum Thema Google AdWords. Da ich in meiner täglichen Arbeit selbst nur wenig mit Google AdWords in Berührung kam, war ich von Thomas technischer Herangehensweise beeindruckt. Er gab einen interessanten Überblick über die Funktionen des Bidmanagers innerhalb von AdWords und die Möglichkeiten das Bietverhalten mit Regeln und Filtern im eigenen Interesse anzupassen.

Adwords-Thomas-Gruebel

Da ich selbst ein großer Excel-Freund bin, waren die Anwendungsfälle von Excel für AdWords besonders interessant:
Thomas zeigte, wie er seine Placements in Excel bewertet und dort über eine Pivot-Tabelle aggregiert, um weitere Erkenntnisse zu erlangen, aber auch der folgenden Frage nachging:

„Warum werden meine Anzeigen auf russischen Seiten ausgespielt und ist das überhaupt gut?“

So filterte er mit Hilfe des Plugins „SEO Tools für Excel“ nach Top-Level Domains und bewertete diese nach Erfolg oder Misserfolg der Anzeigen. Ebenso hilft das Plugin dabei, den Status der eigenen Landingpages zu prüfen:

  • Antworten alle Seiten noch mit Status 200 OK oder hat irgendjemand die URL geändert? Die Funktion =HTTPStatus() hilft hier weiter
  • Sind noch alle Seiten mit der korrekten H1 befüllt? Passt diese noch zu meiner Anzeige? Diese Antwort liefert die kleine Funktion =htmlh1()

Auch wer lieber mit Google Spreadsheets arbeitet, kam auf seine Kosten. Thomas zeigte uns, wie er aus Google Spreadsheets in Kombination mit AdWords Scripts und der Hilfe von Google Supermetrics ein automatisiertes Reporting erstellt und diese mit einem Klick für Kunden & Mitarbeiter freigeben kann.

Neu für mich war der Einsatz von Google BigQuery: Wenn man bereits AdWords Scripts nutzt und große Datenmengen in der Größenordnung von Gigabyte verarbeitet haben möchte, sollte man sich einmal hiermit anfreunden. Denn wo der eigene Rechner gerne schlapp macht, hilft hier Google für ein paar Cent und stellt eine enorme Rechenleistung zur Verfügung. Mit ein bisschen SQL Kenntnissen lässt sich so mit großen Datenmengen arbeiten.

Bei einem kurzen Ausflug zur Google Predictive API, die auch für AdWords eingesetzt werden kann und bei der Mustererkennung hilft, verwies Thomas noch auf einen interessanten Artikel von Searchengineland, den ich hier noch einmal verlinke:

Machine Learning With AdWords Scripts And Google Prediction API

Fazit: AdWords ist reich an Fleißarbeit, aber mit den Tipps von Thomas kann man viele Zeitfresser einfach automatisieren und sich auf die wichtigen Dinge konzentrieren.

Sein abschließender Tipp: Arbeit abnehmen lassen, aber bitte nicht das Denken!

6 entscheidende Erfolgsfaktoren im Onlinemarketing von Alexander Nemet

Danach setzte ich mich zum Kollegen Alexander Nemet, der den interessierten Teilnehmern seine 6 Erfolgsfaktoren im Onlinemarketing verriet. Um nicht befangen zu wirken, möchte ich an dieser Stelle lediglich auf seine Folien und das Recap des SEO Portals verweisen

Conversion Optimierung – 40 Learnings von André Morys

Andrés Vortrag war, ohne zu übertreiben, eines der Highlights der OMX. Leider weiß er sehr gut, wie man einen Vortrag hält, um die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer zu gewinnen, sodass ich völlig vergessen habe mir ausführliche Notizen zu machen.

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Einige Stichpunkte und Tipps zur Conversion Optimierung (wenn auch keine 40) habe ich dennoch mitgenommen:

Dein Bauchgefühl lügt! Ja wir halten uns alle gerne für Experten und „wissen, was funktioniert“, ganz besonders, wenn man „seine Kunden ganz genau kennt“. Aber normalerweise liegt man damit viel zu oft daneben als es ein Geschäft vertragen kann, wenn man aus dem Bauch heraus Entscheidungen trifft, die keinem fundierten Entscheidungsprozess zugrunde liegen.
Einen belastbaren Entscheidungsprozess, der hierbei hilft, liefert CRO. Einige Fragen, die man sich vor dem Testing durchaus stellen sollte, sind sog. Kernfragen für die eigenen Testhypothesen:

  • Wird das, was getestet werden soll, überhaupt wahrgenommen?
  • Ist das, was getestet wird, überhaupt relevant?
  • Hat das, was verbessert werden soll, einen (finanziellen) Wert?
  • Ist die Hypothese alleinstellend?
  • Folgt die Hypothese psychologischen Prinzipien?

Die einfache Frage „Was denken Sie konvertiert besser, Option A oder B?“ hat auch während des Vortrags innerhalb des Publikums für viele Aha Momente gesorgt. Wir alle lagen oft daneben. Denn nicht wir entscheiden oder wissen was konvertiert, sondern allein der Kunde weiß das – und der erzählt uns meistens nichts.

Sei statistisch signifikant! Ohne eine ausreichende und statistisch signifikante Datenbasis zum Auswerten des Nutzerverhaltens liegt daher jedes Bauchgefühl daneben. Konventionen schön und gut, aber will man zielgerichtet seine Prozesse und Website optimieren, darf man sich nicht darauf verlassen und muss immer testen, testen, testen. Das dauert länger, dafür funktioniert es aber auch.

Reicht der Traffic für eine Aussage, die stimmt? Oft heißt die Antwort NEIN. Verbesserungen der Conversionsrate von 50%, 150% oder 350% sollten jeden erst einmal stutzig machen und die Fragen aufwerfen: Wie groß war denn die Nutzermenge auf meinem Testfall?
Die alte Daumenregel „100 User reichen“ stimmt meist nicht, um eine signifikante und allgemeingültige Verbesserung des zu optimierenden Prozesses zu erreichen. Ebenso gerne wird oft der Testzeitraum zu kurz oder abrupt beendet, sobald der Uplift einen Wert verspricht, der den Chef glücklich macht. Hier gilt es bereits vorher eine notwendige Zugriffsgröße und einen Zeitraum zu definieren, innerhalb dessen der Test zwingend laufen muss.

Auch verwies er an der Stelle auf das Problem des Confirmation Bias (Wiki: Bestätigungsfehler). Die Kurzfassung lautet:

“Wenn wir glauben, dass etwas besser wird, suchen wir auch gezielt nach Daten, die das bestätigen, selbst wenn sie nicht korrekt sind.“

Fazit: Jeder hat eine Meinung. Auf Basis der eigenen Meinung jedoch Business relevante Entscheidungen für die eigene Website zu treffen, ist nicht besser als zu raten. Ohne eine Entscheidung vorher oder zumindest im Nachhinein mit Zahlen belegen zu können, führt diese oft nicht zu einer anhaltend positiven Entwicklung (auch wenn man „seine Kunden kennt“).

Keynote: Smarte Hebel im Online Marketing von Karl Kratz

„Wir erstellen immer schneller immer mehr digitale Inhalte, schreiben regelmäßig Newsletter, sind glücklich, wenn jeden Tag tausende neuer Besuche auf unsere Websites kommen … Aber macht das auch alles Sinn?“

Mit dieser Frage griff Karl Kratz noch einmal die bereits gestellte Sinnfrage von Robert Seeger auf und gab die Frage direkt ans Publikum weiter:

Benutzen wir smarte Hebel in unserem Unternehmen?

Wie viele „online Assets“ müssen unsere Mitarbeiter mittlerweile verwalten? Schaffen die das überhaupt noch, wenn rein rechnerisch nur noch wenige Stunden bleiben, um jedes Einzelne zu betreuen. Macht dieses reine Verwalten und herumhudeln überhaupt noch Freude?

Kann man so überhaupt wirklich guten oder sehr guten Content produzieren?

Die einhellige Antwort lautet, sofern man den gesunden Menschenverstand befragt: Nein.

Daher sollte bei allen eigenen Assets (Websites/Social Media Kanäle/Newsletter/Videos etc.) Intensivierung vor Skalierung vorherrschen. Wenn man nicht unbegrenzt Ressourcen zur Verfügung hat, dann ist es besser sich auf wenige Inhalte zu konzentrieren und diese dann eben sehr, sehr gut zu optimieren.

„Reduktion setzt Ressourcen frei“

Karl beschrieb, wie er durch die radikale Reduktion der oft doppelten oder mittelmäßigen Inhalte auf Chefkoch.de für dieses Portal wieder Wachstum erzeugte.

Eine kleine Hilfe vor der Reduktion können hierbei diese vier Fragestellungen sein. Kann man mehr als eine Frage mit Ja beantworten, ist die Entscheidung zur Reduktion (aka löschen^^) eigentlich schon getroffen:

  • Haben wir zu dem Thema mehr als einen Artikel?
  • Rankt die Seite nur mittelmäßig und schaffen wir mit annehmbarem Aufwand keine drastische Verbesserung?
  • Rankt die Seite, bringt aber keinen Traffic, weil das Thema evtl. irrelevant für den Kunden ist?
  • Leisten diese Seitenbereiche keinen messbaren Beitrag (gerne z.B. Newsletter Archive ohne echte Daseinsberechtigung)?

 Dieser Content darf ohne schlechtes Gewissen gelöscht, deindexiert oder mit besseren Inhalten zusammengeführt werden!

Mehr aus der Google Search Console herausholen – Stephan Czysch

Da ich selbst sehr gerne mit der Search Console arbeite, war ich besonders am Vortrag von Stephan interessiert. Inhaltlich hat er den Anwesenden die wichtigsten Grundfunktionen der Google Search Console gezeigt und Tricks zur Umgehung von Datenlimits gezeigt.

Was mich jedoch besonders gefreut hat, da es auch aus eigener Erfahrung ein besonders kritisches Thema ist, war sein Exkurs zur Bedeutung der Crawlingoptimierung.

Er wies darauf hin, dass Google als wirtschaftlich arbeitendes Unternehmen natürlich ein sehr großes Eigeninteresse daran hat, das Crawling von Websites so effizient und kostensparend vorzunehmen wie nur irgend möglich. Allein durch Einschränkung der zu crawlenden Datenmenge schafft man hier eine sinnvolle Optimierung der Website, da durch das optimierte Crawling Limits für die wichtigen Seiten frei werden.

Wer noch mehr zum Thema Google Search Console erfahren will, dem sei auch dieser Foliensatz zu empfehlen (PPT auf SlideShare):

Fazit OMX 2015

Alles in allem war die 3. OMX für mich voller spannender Inpulse und ich freue mich auch im nächsten Jahr wieder vor Ort zu sein. Vielen Dank an die großartige Organisation auch rund um die Online Marketing Experts Konferenz.

Ihr habt Fragen zur OMX oder zu den Referenten und Vorträgen? Hinterlasst ein Kommentar oder schreibt uns eine E-Mail an info@takevalue.de.

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Peter Schmidt

Seit 2013 ist Peter beratend für takevalue im Bereich IT-SEO & Informationsarchitektur tätig, setzt SEO-Konzepte für mittlere bis große Kundenseiten um. Vor allem stellt er die IT-Hygiene der Website sicher (Fehler/Crawlability) und prüft die korrekte Umsetzung von allg. SEO-Onpage-Faktoren. Seit 2014 ist Peter zudem Dozent an der h_da und unterrichtet hier Studenten im Thema Suchmaschinen Marketing.

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