Christian B. Döring 0 Kommentare

OMT 2016 Recap – Eindrücke und Learnings vom Online-Marketing-Tag in Wiesbaden

 

Am 02.09.2016 fand der zweite Online-Marketing-Tag in Wiesbaden statt. Da in diesem Jahr wieder viele Top-Speaker anwesend waren, gab es eine große Anzahl hörenswerter Beiträge. In dem OMT 2016 Recap beschreibe ich aus meiner Sicht interessante Erkenntnisse aus Vorträgen der eintägigen Konferenz.

Inhalte

Amazon SEO – deutlich mehr als Preisdumping

1-Benske-Amazon-SEO-OMT-2016

Maik Benske von XOVI referierte sehr kurzweilig und lehrreich über Amazon SEO. Die Kernaussage des Vortrags war aus meiner Sicht „Amazon SEO ist nicht Preisdumping“.

Meine Learnings lauten:

  • Auf Amazon bieten Händler zunehmend Eigenmarken an. So erschweren sie Kunden den Vergleich ihrer Waren mit Konkurrenzprodukten. Außerdem sind so in der Regel die Margen höher als bei ähnlichen Markenprodukten.
  • Den Absatz von Produkten eines Wettbewerbers kann man einschätzen, indem man in regelmäßigen Abständen (z.B. täglich) 999 Produkte in den Warenkorb legt und die daraufhin angezeigte Zahl verfügbarer Produkte über einen einen längeren Zeitraum beobachtet.

Interne Verlinkung – den Nutzer in den Mittelpunkt stellen

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Nina Baumanns Vortrag lieferte einen hervorragenden Überblick über die relevanten Aspekte der internen Verlinkung wie Hauptnavigation, Breadcrumbs, Textlinks und vieles mehr. Viel wichtiger als einzelne Elemente war ihr allerdings das Mindset mit dem man interne Verlinkung und Navigation gestaltet, das ich wie folgt zusammenfasse:

„Versucht nicht schlauer zu sein als Google, sondern fokussiert euch darauf interne Verlinkung nutzerzentriert zu gestalten.“

  • Bei einer nutzerzentrierten Herangehensweise an interne Verlinkung gilt häufig das Prinzip „Weniger ist mehr“, denn zu viele Links in Hauptnavigation oder Texten können Nutzer stark verwirren.
  • Die interne Verlinkung sollte insbesondere Seiten stärken, mit denen Geld verdient wird/werden kann.
  • Bei der Strukturierung von Content sollten Content-Silos gebildet werden.

SEO für Onlineshops

4-Spriestersbach-SEO-Onlineshops-OMT-2016

Kai Spriestersbachs sehr gut vorgetragene Präsentation (Folien auf Slideshare) begann mit dem Statement, dass die Zeit der SEO-Tricksereien im Jahr 2016 endlich vorbei sei. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Google zunehmend effektiv maschinelles Lernen zur Verbesserung der Suchergebnisse nutzt (Stichwort: Google RankBrain).

Folgende Take-Aways haben sich für mich aus dem Vortrag ergeben:

  • Obwohl Googles Algorithmen immer komplexer werden, verändert sich Suchmaschinenoptimierung nicht grundsätzlich, denn es geht weiterhin darum Nutzern bedarfsgerechte Inhalte, Produkte etc. zur Verfügung zu stellen und technisch möglichst saubere Systeme zu nutzen.
  • Facettierte Navigation mit PRG-Pattern ist und bleibt sehr hilfreich.
  • Auch Markenbildung ist weiterhin sehr wichtig, denn „Google mag Marken“.
  • Ideen für Produkttexte können effizient und effektiv aus Amazon-Rezensionen extrahiert werden.
  • Gemäß einer Studie von Searchmetrics variieren Rankingfaktoren abhängig von der jeweiligen Branche (z.B. E-Commerce, Gesundheit, Kreditwesen)

Herausforderung Content Distribution über alle Kanäle

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Der unterhaltsame wie lehrreiche Vortrag von Jan Stranghöner drehte sich neben Memes darum, wie Produzenten von Content mit unterschiedlichen Kanälen wie z.B. Snapchat, Pinterest etc. umgehen können. Meine wichtigsten Erkenntnisse lauten:

  • Man muss sich bei der Content Distribution an die Regeln der jeweiligen Plattform anpassen.
  • Man muss nicht alles ausprobieren – aber man muss testen.
  • Im Anschluss an das Testen muss immer eine Review erfolgen.
  • Produziert Inhalte „auf Halde“, um nicht regelmäßig unter Druck zu geraten etwas produzieren zu müssen. Hierzu bieten sich vorhersehbare Ereignisse wie z.B. die Fußballeuropameisterschaft an.
  • Optimiert interne Prozesse, sodass auch kurzfristig Inhalte mit aktuellem Bezug wie z.B. Memes erstellt und veröffentlicht werden können.
  • 9GAG bezieht mehr Traffic aus Deutschland als aus den USA.

Content Operations – Auflösen von Silos

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Als Vertretung für den aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesenden Mirko Lange beschäftigte sich Maël Roth sehr pointiert mit strategischem Content-Marketing. Folgende Stichpunkte nehme ich aus dem sehr guten Vortrag mit:

  • Content-Marketing wird von unterschiedlichen Unternehmensbereichen wie z.B. SEO, Redaktion und PR vereinnahmt – und zwar zu Recht, denn sie alle benötigen guten Content.
  • Zur Reduktion kontraproduktiver Konflikte müssen Silos aufgelöst werden.
  • Das Auflösen von Silos erfordert in der Regel klassisches Change Management.

Aktuelle juristische Themen im Online-Marketing

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Die Rechtsanwälte Carsten Schröder und Niels Hoffmann widmeten sich aktuellen juristischen Themen mit Bezug zur Online-Branche. Obwohl die Herren aus Zeitgründen nur die Hälfte der vorbereiteten knapp 100 Folien präsentieren konnten, nimmt der Vortrag mit Abstand den meisten Platz auf meinen digitalen Notizzettel ein. Damit dieser Abschnitt nicht den Rahmen sprengt, führe ich nur einen kleinen Teil der vielfältigen Take-Aways auf:

  • Deeplinking ist kein Problem – außer man verlinkt auf illegale Inhalte.
  • Embedded-Content stellt ebenfalls kein Problem dar – außer man bindet illegale Inhalte ein.
  • Auf sozialen Netzwerken ist liken, teilen und kommentieren meist erst dann rechtswidrig, wenn man rechtswidrige Inhalte wie z.B. Hassposts „aktiv für gut befindet“.
  • Für User-Generated-Content muss der Betreiber einer Plattform in der Regel nur dann haften, wenn er trotz Hinweisen rechtswidrige Inhalte nicht entfernt hat.
  • Wer sich einen (Facebook-) Account mit anderen Personen teilt haftet mit.

Da ich kein Rechtsanwalt bin, handelt es sich hierbei nicht um Rechtsberatung, sondern um Konferenznotizen.

Wie identifiziere ich eine passende SEO und/oder SEA Agentur?

BVDW Panel OMT 2016

Der Agenturmarkt ist unübersichtlich, Berufsbezeichnungen sind nicht geschützt und diverse Agenturen suchen mithilfe von Kaltakquise neue Kunden.

Für Werbetreibende ergibt sich somit eine sehr unübersichtliche Situation. Die Fokusgruppe Search des BVDW engagiert sich schon lange für mehr Transparenz im Markt. Aus diesem Grund veranstaltete der BVDW auf dem OMT 2016 ein Diskussionspanel zum Thema „Wie identifiziere ich eine passende SEO und/oder SEA Agentur?“. Unser Geschäftsführer Jens Fauldrath moderierte in seiner Funktion als stv. Vorsitzender der Fokusgruppe Search des BVDW das spannende Panel.

Um eine möglichst vielfältige Diskussion zu ermöglichen, setzte sich das Panel aus Inhouse-Vertretern (Christian Lüllig, Manager Performance Marketing BRITA GmbH und Sebastian Gebert, Teamleiter Search & Performance Marketing Sparhandy) und Agentur-Vertretern (Andreas Hörcher, Geschäftsführender Gesellschafter Finnwaa GmbH und Jens Brechmann, Geschäftsführender Gesellschafter 42DIGITAL GmbH) zusammen.

Einig waren sich alle Teilnehmer, dass die Verantwortung für die Agenturauswahl beim Nachfrager liegt. Dieser sollte sich über seine Ziele und Möglichkeiten im Klaren sein, um eine fundierte Auswahl treffen zu können. Somit ist die Wahrscheinlichkeit bei einer Kaltakquise eine passende Agentur zu finden sehr gering.

Weitere wichtige Tipps waren:

  • Man muss sicherstellen, dass man einen fachlichen Ansprechpartner hat und nicht mit dem Vetrieb kommuniziert.
  • Die eigene Mitarbeit ist wichtig, denn Agenturen müssen das Geschäft ihres Kunden verstehen und benötigen dafür die Unterstützung des Kunden.
  • Wenn sich Agenturen nicht für das Geschäft des Kunden interessieren, sind sie nicht die richtigen.
  • Aufgrund der engen Zusammenarbeit sollte die „Chemie“ stimmen.
  • SEO & SEA muss nicht teuer sein – insbesondere im lokalen Bereich sind mit überschaubaren Kosten gute Erfolge möglich.
  • Full-Service-Agenturen können eine Option darstellen. Hier sollte man allerdings darauf achten, dass ausreichend SEO- oder SEA-Experten vorhanden sind.
  • Full-Service-Agenturen sind nicht immer eine gute Wahl, da SEOs die Arbeit der eigenen Agentur bewerten müssen.
  • Ein guter Freelancer ist oft eine adäquate Alternative zur Agentur.
  • Die Größe einer Agentur sagt nichts über die Qualität der Arbeitsergebnisse aus.
  • Für fast jedes Abrechnungsmodell gibt es einen passenden Anwendungsfall. Hier muss der Kunde prüfen, ob die Abrechnungsmodelle zu den eigenen Zielen passen.
  • Aufgrund des Fachkräftemangels haben viele Agenturen eigene Ausbildungsprogramme. Es lohnt sich zu prüfen, ob solche Programme von der Wunschagentur angeboten werden.
  • Eine hohe Fluktuation der Mitarbeiter kann ein Zeichen für unternehmensinterne Probleme sein.

Vorsichtig sollte jeder Kunde bei überzogenen Erfolgsversprechen werden. Auch die Verwendung von Logos und Siegeln sollte geprüft werden. SEO-Agenturen, die in ihren Angeboten mit dem Google Partner Logo werben oder  das Mitgliedslogo des BVDW in der Nähe von Zertifikaten verwenden, nutzen diese Logos zumindest irreführend. Hier sollte man als Nachfrager kritisch sein. Der BVDW vergibt zwar SEO- & SEA-Zertifikate, die reine Mitgliedschaft im BVDW sagt aber nichts über die Arbeitsqualität der Agenturen aus.

Weitere Recaps

Wer weitere Recaps lesen möchte kann gerne bei den Kollegen vorbeischauen:

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Mit besonderem Interesse verfolgt Christian die aktuellen Entwicklungen hinsichtlich digitaler Transformation von Großkonzernen. Bei takevalue liegt sein Schwerpunkt auf der Erstellung kanalübergreifender Performance-Analysen zur Aufdeckung von Optimierungspotenzialen im Online-Marketing.

Haben Sie Fragen zum Artikel? Dann freue ich mich über Ihre Kommentare oder E-Mails an cd@takevalue.de.
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