KI in der Webentwicklung: Zwischen neuen Möglichkeiten und bewährten Prozessen

14 Antworten aus der Praxis von unserem Webentwicklungsexperten

Künstliche Intelligenz ist aktuell eines der meistdiskutierten Themen in der Webentwicklung. Neue Tools versprechen schnelleren Code, effizientere Prozesse und Unterstützung bei immer komplexeren Aufgaben. Gleichzeitig stellt sich die Frage, welchen Einfluss KI tatsächlich auf den Entwicklungsalltag hat und wie groß ihr Mehrwert in der Praxis wirklich ist.

Für Unternehmen, die in digitale Projekte investieren, entstehen durch den Einsatz von KI neue Chancen, aber auch neue Anforderungen. Was kann KI heute bereits leisten? Wo spart sie Zeit? Welche Aufgaben profitieren besonders von der Unterstützung durch KI und wo bleibt menschliche Expertise unverzichtbar?

Darüber sprechen wir mit unserem Director Web Development Arne Cornelius. Er verantwortet bei takevalue die Bereiche Webentwicklung, Projektmanagement, Design und Hosting. Gemeinsam mit seinem Team setzt er KI bereits in verschiedenen Bereichen täglich ein. Im Interview berichtet er aus der Praxis, wo KI echten Mehrwert schafft, welche Herausforderungen bestehen und wie sich die Rolle von Entwicklern verändert.

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Wenn alles die KI macht, wird auch alles irgendwann sehr ähnlich, und das ist im Bereich Marketing sicher nicht zielführend. Aus Sicht der Webentwicklung muss es auch das Ziel sein, weiterhin den Überblick zu behalten und das Schiff immer selbst zu steuern.

– Arne Cornelius

Vom KI-Hype zum Werkzeug im Alltag

1. KI ist aktuell eines der großen Themen in der Webentwicklung. Wann habt ihr gemerkt: Das ist mehr als ein Trend und hat konkretes Potenzial für eure Arbeit und Kunden?

Nach dem Launch von ChatGPT war uns recht früh klar, dass KI Einfluss auf die Art und Weise haben wird, wie Webentwicklung zukünftig funktioniert.

 

2. Bei welchen Aufgaben setzt ihr KI aktuell konkret ein und mit welchen Tools arbeitet ihr dabei hauptsächlich?

Es gibt grob gesagt zwei Anwendungsfälle in der Webentwicklung. Bei dem einen geht es darum, Hilfestellung für ein konkretes abgekapseltes Problem oder eine Anforderung zu erhalten. Hierfür reicht oft ein kurzer Chat in einem KI-Tool wie Claude. Dieser eignet sich besonders, um Fehlerquellen einzugrenzen oder einzelne Codeabschnitte zu überprüfen. Der zweite, komplexere Anwendungsfall betrifft große Arbeitspakete, wie z. B. ein TYPO3-Update über mehrere Vollversionen. Hier haben wir uns mit KI-Unterstützung Workflows gebaut, die einen großen Teil der manuellen Arbeit abnehmen.

 

3. Wie genau unterstützt euch KI im Alltag beim Coding?

Das ist sehr vielfältig. KI kann bei der Fehlersuche unterstützen oder auch bei der Neuumsetzung von Kundenanforderungen. Wichtig dabei ist, dass der Entwickler nicht blind übernimmt, was die KI vorschlägt. Es geht also vielmehr darum, KI-Unterstützung als zeitsparendes Tool zu nutzen, als alles von der KI generieren zu lassen. Denn nur so bleibt man der Herr über den Code, versteht ihn und kann jederzeit eingreifen.

 

Unser Ansprechpartner für Webentwicklung

Director Web Development – Arne Cornelius

Arne Cornelius ist seit über 16 Jahren als Director, Team- und Projektleiter im IT-Umfeld tätig. Ende 2019 gründete er zusammen mit takevalue und der DauHerkert GmbH eine Webagentur, die im Frühjahr 2021 mit der takevalue Consulting GmbH verschmolzen wurde. Seit Mai 2021 verantwortet Arne den Bereich Webentwicklung, Projektmanagement, Design und Hosting.

Wo KI echten Mehrwert schafft und wo sie an Grenzen stößt

4. Spielt KI bei euch auch im Design- oder UX-Prozess eine Rolle oder ist das noch stark in menschlicher Hand?

KI unterstützt auch im Design-Prozess. Allerdings ist das in dem Bereich eine Gratwanderung. Denn viel im Design kann für den Laien augenscheinlich gut aussehen, aus Design-Sicht aber dennoch eine schlechte Umsetzung sein. Was ich damit sagen will, ist: KI kann schon jetzt Designs liefern, die gut aussehen, aber dennoch nicht für alle Bereiche gut funktionieren. Das sind die Bereiche, die ein Mensch immer noch besser kann als die KI.

 

5. KI hat den Ruf, Prozesse effizienter zu machen. Spart ihr durch den Einsatz von KI tatsächlich Zeit? Wenn ja, wo am stärksten?

Ja, in der Tat sparen wir Zeit mit der KI. Es lässt sich schwer pauschalisieren, aber ich würde sagen, in der Fehlersuche und in Arbeitsschritten, die „erlernbar“ und repetitiv sind, steckt das meiste Potential.

 

6. Gibt es Prozesse oder Arbeitsweisen, die sich durch KI grundlegend verändert haben?

Nicht grundlegend. Aber KI ist zum täglichen Helfer geworden und nimmt an vielen Stellen den Entwicklern die Arbeit ab oder erleichtert sie zumindest. So ist z. B. die Fehlersuche mit KI-Unterstützung mittlerweile eigentlich nicht mehr wegzudenken. Ähnlich verhält es sich bei technischen Audits oder dem sogenannten Refactoring. Das kann die KI mittlerweile jetzt schon besser, in jedem Fall deutlich schneller als ein Mensch es kann.

 

7. KI kann viel, aber nicht alles. Wo stößt sie aktuell im Arbeitsalltag an ihre Grenzen?

Theoretisch gibt es keine Grenze mehr. Es geht eher darum, auf dem Fahrersitz zu bleiben und die Kontrolle zu behalten. Am Beispiel Vibe-Coding sieht man ganz gut, was theoretisch und zum Teil auch praktisch bereits möglich ist.

Wussten Sie schon?

Refactoring bezeichnet die Überarbeitung und Verbesserung von bestehendem Code, ohne dessen Funktion zu verändern. Ziel ist es, den Code verständlicher, sauberer und langfristig leichter wartbar zu machen.

Vibe-Coding beschreibt einen Ansatz, bei dem Entwickler mithilfe von KI große Teile von Code durch natürlichsprachige Anweisungen generieren lassen. Der Fokus liegt auf Geschwindigkeit und Iteration, während die fachliche Kontrolle weiterhin beim Entwickler bleibt.

Qualität, Kontrolle und die Rolle des Menschen

8. Wie stellt ihr sicher, dass Qualität und Sicherheit stimmen, wenn KI im Entwicklungsprozess eingesetzt wird?

Die Qualität unserer Umsetzung wird nach wie vor von Menschen überwacht. Und in sicherheitsrelevanten Bereichen setzen wir KI einfach (noch) nicht ein.

 

9. Wie geht ihr beim Einsatz von KI mit sensiblen Daten und Datenschutzthemen um?

Wir setzen KI im Bereich von Kundendaten nicht ein. Tatsächlich benutzen wir KI ausschließlich für die Programmierung, nicht aber für die Daten der Kundenwebsites.

 

10. Wie verändert sich aktuell die Rolle von Entwicklern durch KI?

Der Senior-Entwickler ist mehr gefordert als früher, da er einerseits viele Aufgaben in gewisser Weise automatisiert, aber gleichzeitig die Übersicht und das komplette Verständnis behalten muss. Für einen Junior-Entwickler wird es aktuell etwas schwerer, denn seine Aufgaben fallen z. T. weg, da KI sie erledigt. So kann z. B. mittels Claude heute schon ein HTML-Template für eine Website durch KI programmiert werden, was typischerweise die Aufgabe eines Juniors in einer Web-Agentur wäre. Der Trend geht mehr und mehr dahin, diese Aufgaben von der KI machen zu lassen. Dadurch verändert sich auch die Frage, wie Junior-Entwickler praktische Erfahrung sammeln und schrittweise an komplexere Aufgaben herangeführt werden.

 

11. Welche Aufgaben bleiben aus deiner Sicht auch in Zukunft klar beim Menschen?

Das ist wohl eine der größten Fragen, die aktuell die Menschheit umtreibt, und ich habe darauf auch noch keine klare Antwort. Es sieht aber für mich stark danach aus, dass die Aufgaben, für die Menschen miteinander interagieren müssen, noch am ehesten vor dem KI-Einsatz „sicher“ sind. So werden wir auch in Zukunft die Detailanforderungen als Menschen zusammen (Kunde und Anforderungsmanager) besprechen. Auch Software-Architektur-Entscheidungen werden voraussichtlich weiterhin von Menschen getroffen.

 

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Was KI für Unternehmen und Entwicklungsteams bedeutet

12. Was bedeutet der Einsatz von KI aktuell konkret für Unternehmen, die in eine Website investieren?

Eigentlich nur Gutes, denn die Umsetzung von Websites wird durch den Einsatz von KI einfacher und damit oft günstiger. Bestimmte Aufgaben lassen sich teilweise schneller bearbeiten und Projekte effizienter umgesetzen.

13. Wie integriert ihr KI aktuell ins Team – eher strukturiert oder noch im Training?

Das hängt vom Thema ab. Manche Bereiche gehen wir schon sehr strukturiert an (Bsp. TYPO3-Update), in anderen Bereichen sind wir noch in der Ausprobierphase. Grundsätzlich wird das auch noch eine Weile so weitergehen, da sich die KI-Tools so schnell verändern und weiterentwickeln, dass es eigentlich immer so sein wird, dass sich die Nutzung von etablierten Vorgehensweisen mit Phasen des Weiterbildens ablösen wird.

14. Zum Abschluss: Was ist aktuell die größte Chance beim Einsatz von KI in der Webentwicklung? Und was ist die größte Herausforderung, die viele Unternehmen unterschätzen?

Die größte Chance, die ich gerade sehe, liegt darin, schneller besseren Code zu erzeugen und somit für die Kunden besser und kostengünstiger zu werden. Die größte Herausforderung sehe ich tatsächlich darin, nicht alles der KI zu überlassen. Denn darin liegen mehrere Gefahren: Wenn alles die KI macht, wird auch alles irgendwann sehr ähnlich, und das ist im Bereich Marketing sicher nicht zielführend. Aus Sicht der Webentwicklung muss es auch das Ziel sein, weiterhin den Überblick zu behalten und das Schiff immer selbst zu steuern.

Zwischen Unterstützung und Kontrolle

Das Interview macht deutlich: KI verändert die Webentwicklung, aber nicht die Verantwortung hinter ihr. Wir nutzen KI heute bereits in vielen Bereichen, um Prozesse effizienter zu gestalten und unsere Teams bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Gleichzeitig wird jeden Tag deutlich, dass gute Webentwicklung weiterhin von Erfahrung, technischem Verständnis und dem Blick für die individuellen Anforderungen eines Projekts lebt.

Deshalb betrachten wir KI nicht als Ersatz für Entwickler, Designer oder Projektverantwortliche, sondern als Werkzeug. Entscheidend ist letztlich nicht, ob KI eingesetzt wird, sondern wie sie eingesetzt wird. Qualität und Sicherheit stehen bei uns immer an erster Stelle. Genau diesen praxisnahen und verantwortungsvollen Umgang verfolgen wir bei takevalue, um für unsere Kunden bessere, effizientere und zukunftsfähige digitale Lösungen zu entwickeln.

Sie möchten über Ihr nächstes Webprojekt sprechen oder haben Fragen zum Einsatz von KI in der Webentwicklung? Arne Cornelius und sein Team unterstützen Sie gerne.

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Arne Cornelius
Director Web Development


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