Google+ für Unternehmen erfolgreich einsetzen

Für das Buch Google+ für Unternehmen erfolgreich einsetzen gab Jens Fauldrath ein umfassendes Interview. Auf 330 Seiten in 15 Kapiteln behandelt das Buch von Inga Palme und Tina Gallinario die große Thematik Google+, inklusive Anleitungen und praktischen Hinweisen zum Umgang mit Google+ sowie einen Blick auf Unternehmensseiten auf Google+.

Gleichzeitig werden die Auswirkungen auf SEO/SEA beleuchtet, Probleme beim Tracking erläutert und rechtliche Hinweise gegeben. In Summe ein sehr gutes Buch zum Einstieg in das Thema Google+. Das Interview gibt es hier exklusiv und in voller Länge. Viel Spaß beim Lesen.

Die Fragen

Welche Auswirkungen wird Ihrer Einschätzung nach Google+ im Hinblick auf SEO und SEM haben?

Ich glaube, dass die Auswirkungen zum jetzigem Zeitpunkt nicht abzusehen sind. Google+ steht am Anfang und wir werden die kommenden Entwicklungen beobachten und uns anpassen. Sowohl hinsichtlich der Integration von Google+ in die anderen Dienste von Google, als auch hinsichtlich der noch verhaltenen Akzeptanz von Google+ beim Nutzer.

Als SEO enthalte ich mich zum Thema SEA. Im Bereich SEO gibt es allerdings unterschiedliche Auswirkungen zu berücksichtigen. Google besteht nicht aus einem Index. Vielmehr gibt es unterschiedliche Indizes. Wir haben die Websuche, die Bilder- und Videosuche, Google Places für lokale Ergebnisse, Google Shopping für Produkte etc.

Nutzerbewertungen dienen beispielsweise in Google Shopping als ein Rankingkriterium. Gleichzeitig werden die Nutzerbewertungen prominent angezeigt und haben einen erheblichen Einfluss auf das Nutzerverhalten. Produkte und Shops mit einer hohen Anzahl guter Bewertungen werden sicher mehr Besucher erhalten als Shops, denen diese Bewertungen fehlen. Auch in Google Places werden Nutzerbewertungen angezeigt und auch hier beeinflussen diese die Entscheidungsfindung eines Nutzers. Hotels mit schlechten Bewertungen werden sicher nicht so häufig gebucht wie Hotels mit guten Bewertungen.

Aktuell integriert Google noch Bewertungen von Drittanbietern. Allerdings kann Google in diesen Fällen keine eigene Qualitätskontrolle (z.B. zur Identifikation von falschen und manipulativen Bewertungen) durchführen. In Google Places wurden deshalb die Bewertungen der Drittplattformen durch Bewertungen, die direkt bei Google abgegeben werden, ersetzt. Google+ hat hier die Funktion eines Profildiensts für Google. Google kann somit die Korrektheit solcher Bewertungen prüfen, zumindest hinsichtlich der Glaubwürdigkeit des dahinterliegenden Google+-Profils. Somit können mittelfristig die aktuell noch rein quantitativen Metriken bei der Gewichtung der Nutzerbewertungen (also je mehr Bewertungen desto besser) um einen qualitativen Faktor (die Glaubwürdigkeit des jeweiligen Google+-Profils) ersetzt werden.

Wenn wir uns die Websuche anschauen, dann gibt es auch verschiedene Aspekte zu berücksichtigen. Derzeit wirken sich Bewertungen wie Google+1 und andere soziale Bewertungen kaum auf das Ranking innerhalb der Google Websuche aus. Zumindest gibt es dazu keine wissenschaftlich validen Untersuchungen, auch wenn viele Social Media Experten das gerne behaupten. Sobald ein Suchender sich mit seinem Google Account bei Google anmeldet (oder automatisch wiedererkannt wird), erhält der Nutzer personalisierte Ergebnisse.

Mit Google+ Your World zeigt Google in den USA wohin die Reise geht. Aktuell ist aber auch in Deutschland in sogenanntes Reranking zu beobachten. Das bedeutet, dass Ergebnisse entsprechend Ihres Profils neu sortiert werden. Treffer, die von Personen, die in den eigenen Google+ Kreisen sind und von diesen mit einem Google+1 bewertet wurden, werden höher platziert. Für diese personalisierten Suchergebnisse haben die Google+ Bewertungen eine erhebliche Auswirkung. Hierbei ist allerdings nicht die reine Anzahl der Bewertungen wichtig, sondern die Größe der Netzwerke (Anzahl von Personen, die jemanden in die eigenen Google+ Kreise aufgenommen haben) der Personen, die eine Website mit Google+1 bewerten. Ebenso ist es wichtig, dass die Verbreitung von Google+ zunimmt. Beides zusammen befruchtet sich gegenseitig.

Zuletzt ist auch die Darstellung der Treffer innerhalb der Ergebnisseite (kurz SERP) von Google von Interesse. Je attraktiver der Treffer dargestellt wird, desto mehr Suchende werden den Treffer anklicken. Google zeigt in der SERP der personalisierten Suche kleine Thumbnails der Profilbilder derjenigen Google+-Profile an, die die Seite mit einem Google+1 bewertet haben und in den Kreisen des Suchenden sind. Somit werden diese Treffer nicht nur besser gerankt, sondern sie werden auch attraktiver dargestellt.

Unabhängig davon können mithilfe von Autorenseiten die Bilder der Autoren eines Artikels zu einem Google Treffer angezeigt werden. Diese Maßnahme zur visuellen Aufwertung der Treffer ist unabhängig von der personalisierten Suche. Genauso zeigt Google Bewertungssterne bei Treffern an, wenn die entsprechenden Websites ihre Bewertungen für Google verständlich integriert haben. Somit stellt derzeit die optische Aufwertung der bereits vorhandenen Treffer für alle Nutzer von Google die aktuell wichtigste Maßnahme dar.

Welche Maßnahmen sind unabdingbar, um überhaupt das Thema SEO erfolgreich in den gesamten Marketing-Prozess eines Unternehmens zu integrieren?

Wenn man SEO wirklich effektiv zu betreiben beabsichtigt, muss man als Organisation die Veränderung ,die das Internet für uns alle bedeutet, verstehen. Es gab noch nie eine größere Transparenz und eine größere Menge an Informationen. Und wir sind immer noch am Anfang dieser Entwicklung. Wenn man SEO aber nur als ein Marketing-Kanal begreift und auf den Aufbau von Backlinks und etwa HTML-Optimierung versteht, dann kratzt man bestenfalls an der Oberfläche, und die Resultate werden entsprechend sein. Vanessa Fox beschreibt in Ihrem Buch „Marketing in the Age of Google“ recht gut, warum heute die Online Strategie die eigene Geschäftsstrategie sein sollte. Und zwar NICHT, weil der Marketing-Kanal online so wichtig ist. Vielmehr geht es darum, dass Methoden des Online- und Suchmaschinenmarketings genutzt werden können, um ein Unternehmen im Ganzen wettbewerbsfähiger zu machen.

SEO beginnt in der Regel mit einer Keyword-Analyse. Dabei erheben wir die Suchanfragen, für die wir mit unserem Angebot gefunden werden wollen. Unsere Möglichkeiten Suchende zu erreichen sind durch unser Angebot definiert. Jetzt könnte ich aber schon vor der Entwicklung bzw. Planung neuer Produkte die aktuelle (Such-)Nachfrage erheben und meine Produkte, und nicht nur die beschreibende Website, auf die Nachfragesituation anpassen, als Features sowie ihre konkrete Ausprägungen vorab bewerten. Vanessa Fox geht darauf sehr genau in Ihrem Buch ein und sie zeigt, dass dieser Ansatz vom lokalen KMU bis zum Weltkonzern funktionieren kann. Jetzt können wir als SEOs natürlich nicht den Anspruch erheben die Strategie eines Unternehmens bestimmen zu wollen. Wir müssen aber versuchen unsere Methoden den Kollegen zu vermitteln, die mit diesen Aufgaben vertraut sind und die Erkenntnisse in einem besseren Kontext setzen als wir SEOs es aus unserer Warte können.

Ähnlich verhält es sich mit vielen weiteren Themen. Wir sind gut in Recherche, Informationsarchitektur, HTML und viele anderen Themen. Es wird in Zukunft wichtig werden, dass wir unser Wissen an die Stellen in einer Organisation bringen, die primär für die Themen zuständig sind, die wir optimieren wollen. So können wir den Kollegen aus der PR zeigen, wie wir Meinungsführer im Netz identifizieren, und wir können dem klassischem Marketing zeigen, wie wir ihre Kampagnen online verlängern können, und vieles mehr. Aber wir müssen den Anspruch ablegen alles besser zu können und schlimmstenfalls alleine machen zu wollen.

Wie beurteilen Sie in diesem Zusammenhang die Relevanz von Social SEO?

Social SEO hat einen großen Bezug zu Public Relation. Gute PR kann sehr gut für Social SEO genutzt werden und die Kollegen haben oft Mittel und Methoden, die man als SEO in einem Unternehmen nicht hat. Eine enge Zusammenarbeit wird in Zukunft noch wichtiger werden als sie in der Zeit der Linkökonomie schon war.

Welche Bedeutung messen Sie auf Dauer einer Präsenz auf Google+ unter SEO Aspekten bei?

Die Präsenz auf Google+ wird wichtig, wenn meine Nutzer bei Google sind. Google wird Google+ immer mehr Raum innerhalb der eigenen Produkte geben. Und da in Deutschland fast alle Kunden eines Unternehmens auch Nutzer von Google sind, lässt sich die Frage recht einfach beantworten. Dennoch ist Google+ eine Drittplattform. Ähnlich wie bei Facebook gilt, dass ich als Unternehmen zuerst meine eigenen Inhalte auf meiner Domain, meinen Systemen, im Griff haben sollte. Google+ ist flankierend bzw. ergänzend und nicht ersetzend. In diesem Sinn kommt i.d.R. erst ein Unternehmensblog und dann die Präsenzen auf Social Media Seiten. Jeder dieser Anbieter kann morgen die Regeln seiner Plattform ändern. Auch wenn man von „meiner Google+-Seite“, spricht ist es immer noch die Seite von Google.

Welche neuen Anforderungen stellt Google+ an Unternehmen?

Neue Anforderungen werden nicht gestellt, sondern nur alte verstärkt. Die Entwicklung geht weiter in Richtung Transparenz. Als Shopbetreiber war es für Sie schon immer wichtig, wie ihr Shop auf Bewertungsplattformen bewertet wurde. Als Unternehmen war es für Sie schon immer wichtig, wie über ihr Unternehmen in Foren, Blogs etc. gesprochen wurde. Durch die stärkere Integration von Google+ in die Suchergebnisse wird es für sie noch schwerer diese Themen zu ignorieren. Wenn sie bis jetzt noch keine Strategie verfolgen wie sie aus ihren Stammkunden echte Fürsprecher gewinnen können, dann werden Sie es noch schwerer haben online erfolgreich zu sein. Und da immer mehr Nutzer selbst nach einer TV-Kampagne erst einmal im Netz über die Beworbenen Produkte recherchieren, werden auch diese Marketing-Kampagnen weiter an Effektivität verlieren, wenn sie nicht entsprechend online begleitet werden. Sprich, der Nutzer wird noch mächtiger. Wer glaubt durch den Einbau von Buttons und der Präsenz auf Google+ das Thema ausreichend behandelt zu haben, versteht nicht mal im Ansatz die Entwicklung, in der wir uns seit Jahren befinden.

Was sollten Unternehmen im Umgang mit Google+ aus Ihrer Sicht unbedingt beachten?

Trotz des Nachdrucks, dem ich in der vorherigen Frage dem Thema Google+ verliehen habe, sind einige rechtliche Rahmenbedingungen noch zu klären. Jenseits der zu recht ausstehenden Klärung der Datenschutzfragen gibt es weitere Aspekte zu berücksichtigen. Durch die Möglichkeit Autorenbilder direkt neben einem Treffer anzeigen zu lassen, werden die Websites, die diese Möglichkeit nutzen, aufgewertet. Bleibt aber die Frage, ob ich als Arbeitgeber einfach die Bilder meiner Autoren für Google auslesbar in meine Seite integrieren bzw. meine Autoren zur Anlage einer Google+-Profils bewegen darf. Offensichtlich darf ich es ohne Zustimmung nicht. Kann ich möglicherweise diese Zustimmung in einem Arbeitsvertrag integrieren? Wie gehe ich mit Mitarbeitern um, die sich weigern? Und was mache ich, wenn der Mitarbeiter kündigt? Allein dieser eine Aspekt zeigt schon, dass vieles rechtlich nicht ungeklärt ist. Bevor man also versucht alle Möglichkeiten zu nutzen, sollte man vorher eine rechtliche Klärung herbeiführen. Auch wenn es dann etwas länger dauert.

Gibt es sonst noch etwas, was Sie den Lesern mitteilen möchten?

Das Internet stärkt den Konsumenten. Denn es steht für Transparenz und Offenheit. Klassisches Marketing mit seinen Methoden der Penetration und Dominanz von einfachen Marketing-Botschaften wird weiter zurückgedrängt werden. Inbound Marketing, also die Bemühungen, dass unsere Kunden zu uns kommen, wird immer wichtiger. Wenn die Nutzer aber zu uns kommen sollen, dann müssen wir das bieten, was sie suchen und wir müssen mit unseren Kunden kommunizieren, und zwar auf Augenhöhen.

Im realem Leben besteht ein Geschäft aus dem Ladengeschäft an sich, dem Warenangebot, dem Verkaufspersonal und es gibt das Marketing, welches sich um die Werbung kümmert. Online ist unser Shop das Äquivalent zum Ladengeschäft. Und wir betreiben Online Marketing. Leider aber wird das Äquivalent zum Verkäufer oft vergessen. Keiner kommt auf die Idee Werbung zu schalten und dann das Verkaufspersonal aus dem Ladengeschäft zu entfernen. Die Verkäufer sind es, die die Kundenanfragen beantworten, die wissen wie aus Besuchern Käufer und Beschwerden aufgefangen werden. Online aber sind wir selten bereit beschreibende Produkttexte zu verfassen, wirklich sinnvolle Serviceangebote zu betreiben etc. Unsere Website ist unser Verkäufer und online leider oft taub und stumm. Oder schlimmer noch taub, aber laut wie ein Marktschreier. Die eigene Website und ihre Präsenzen auf den Social Media Plattformen ist keine Onlineversion unserer Marketing-Maßnahmen, kein Flyer, keine Zeitungsanzeige und kein TV-Spot. Vielmehr ist die eigene Website unser Ladengeschäft! Es ist der Ort, an dem unsere Kunden zu uns kommen, um über unsere Produkte zu reden. Präsentieren Sie Ihre Produkte entsprechend und kommunizieren Sie ernsthaft mit Ihren Kunden. Überzeugen Sie online genauso wie Sie es von jedem Verkäufer erwarten würden.


Weitere Interviews gibt es im Buch von: Stefan Keuschel, Pressesprecher Google Deutschland; Sebastian Socha, Inhouse-SEO KennstDuEinen; Prof. Tim Bruysten, richtwert GmbH; Mirko Lange, talkabout communications; Natascha Ljubic, IT-Business Development GmbH; Jan Firsching, Redakteur bei Futurebiz; Falk Hedemann, Online Redakteur bei t3n; Thomas Schwenke, Kanzlei Spreerecht; Pascal Herbert, Blogger von GoogleWatchBlog; Michaela Schara, midesign; Elisabeth Rehse-Holzer, Dottergelb. Eine extrem heterogene Gruppe, was die Interviews in Summe sehr spannend macht. Link zum Buch: Google+ für Unternehmen erfolgreich einsetzen

 

 

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Jens Fauldrath

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